Sind auch Sie UMWELTKRANK?

Auszug aus W. Prawda: „Endlager Mensch“
BOD, Norderstedt 2011, ISBN 9 783842 378759
 
Die Menschen in Europa leben in einer industrialisierten Welt, in der der Einsatz von Chemikalienin fast allen Lebensbereichen selbstverständlich geworden ist. Weltweit sind ca. 80.000 Chemikalien in Gebrauch, und jedes Jahr kommen über 1.500 neue hinzu.
 
Alle dieseChemikalien sollen Kundenwünsche erfüllen: Shampoosmüssen schäumen, Seifen und Duschgels duften, Cremesschnell einziehen und die Haut geschmeidig machen. Allein die verwendeten Duftstoffe können schon mehr als 4.000 verschiedene Chemikalien enthalten.
 
Lebensmittelchemiker kreieren „Design-Food“ und „Convenience Food“ mithilfe von Farbstoffen, Aromen, Geschmacksverstärkern, Konservierungsmitteln und weiteren Zusätzen. Selbst ein normales Stück Käse enthält heutzutage verschiedene Farb- und Konservierungsstoffe, wie manan den auf der Verpackung angegebenen „E-Nummern“erkennen kann.
 
Wasch- und Putzmittel enthalten antibakteriell wirkendeStoffe, waschaktive Substanzen, Weichmacher und Bleichmittel. Wir setzen Rostschutzfarben und Antifaulmittel ein,verwenden Kunststoffe für Verpackungsmaterialien undFlaschen. Die schöne neue Konsumwelt gaukelt Bequemlichkeit und Sicherheit vor, ebenso wie grenzenlose Mobilität und beliebige und unbegrenzte Kommunikations- undInformationsmöglichkeiten.
 
Und die Kehrseite? Die Chemikalien bleiben nicht nurdort, wo sie gewünscht sind. So finden sich Pestizide in Gemüse und Obst, Medikamentenrückstände in Fleisch und Trinkwasser, Dioxine in Milchprodukten,Giftstoffe in Kinderspielzeug, Nonylphenole (Abbauprodukte der in Wasch- und Putzmitteln enthaltenenTenside) in vielen Lebensmitteln.
 
Die beim Bau und zur Innenausstattung unserer Häuserverwendeten Bau- und Dämmmaterialien, Farben, Teppichböden und Stoffe enthalten oft Schadstoffe wie z.B. Holzschutzmittel oder organische Lösungsmittel. Diese Schadstoffe dünsten aus – eine oft über Jahrzehnte dauerndeBelastung unserer Innenraumluft. Schadstoffhaltige Fasernvon Kleidung, Bezugs- und Dekostoffen vermischen sichmit Hautschuppen, Haaren, von draußen herein getragenen Pflanzen und Gesteinspartikeln zum allgegenwärtigenHausstaub, in dem sich zudem noch Hausstaubmilben,Bakterien, Viren und Schimmelpilze finden.
 
Fazit: Geschlossene Räume können bis zu 10.000 mal stärker mit Schadstoffen belastet sein als die an sich schon stark belastete Stadtluft!
 
Giftschlamm aus Industriebetrieben und Mülldeponien vergiftet Böden und Gewässer. Schadstoffe aus Farben für Schiffsanstriche, legal oder illegal verklappte Abfälle, Öl ausTanker- oder Bohrturmunfällen sowie die zur Zerstreuung der Ölteppiche eingesetzten Chemikalien verunreinigen die Meere, vergiften die Meereslebewesen und gelangen so in die Nahrungskette.
 
Achtlos weggeworfene Plastikabfälle wie z.B. Einwegtüten gelangen über Bäche und Flüsse in die Meere; Schiffsmüll und verlorene Container tragen zur Verschmutzung bei. Durch Gezeiten, Lichteinwirkung und Freisetzung der enthaltenen Weichmacher wird der Plastikmüll zu 3 - 5 mm großen Pellets zerkleinert und mit den Meeresströmungen verteilt. Zwischen Kalifornien und Hawaii hat sich ein Müllstrudel von der Größe Europas gebildet, bei dem an der Oberfläche inzwischen auf 1 kg Plankton 6 kg Plastikmüll kommen. Vergleichbare Müllstrudel in etwas kleinerem Ausmaß finden sich auch im Südpazifik, im Atlantik und im Indischen Ozean.
 
Meerestiere verwechseln die Plastikpellets mit Plankton; so gelangen auch die weggeworfenen Plastikkleinteile wieder in unsere Nahrungskette. Diese Situation ist umso bedrohlicher, als der Geochemiker Hideshige Takada von der Universität Tokio herausgefunden hat, dass die Plastikpellets wie Giftschwämme wirken: Die Konzentration giftiger und krebsverursachender Chemikalien wie z.B. DDT war an der Oberfläche der Pellets bis zu eine Million Mal höher als im umgebenden Wasser.
 


Der Mensch – Endlager für Wohlstandmüll?

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass wir auch in Europa denUmweltgiften nicht ausweichen können. Sie finden sich in der Luft, imBoden, in den Binnengewässern und Ozeanen. Wir nehmen sie mit unserer Nahrung und mit unserem Trinkwasser auf, haben mit ihnen Kontakt in Beruf und Freizeit – sogar im Schlaf –, in der Wohnung, im Straßenverkehr und bei sportlichen Aktivitäten. Und das alles soll nicht gesundheitsschädlich sein?
 


Umweltkrankheit: Typischer Krankheitsverlauf

Das Krankheitsbild, das sich durch das Zusammenspiel geringster Dosen unterschiedlicher Umweltgifte ergibt, wird als Multiple Chemical Sensitivity Syndrom (MCS) bezeichnet. Eine eindrucksvolle Beschreibung eines typischen Krankheitsverlaufs gibt Frau Otte als Betroffen ein ihrem Vortrag vor dem Europaparlament in Straßburg am 5.12.2008:
 
Ich bin eingeladen worden, als Umweltkranke – gewissermaßen als Fallbeispiel - einen Einblick in die konkreten Folgen auch niedrigschwelliger toxischer Einflüsse auf den menschlichen Körper zu geben. Wie Sie sehen werden, kann ich damit einen auch für andere Fälle repräsentativen Fächer aufspannen: Bereits als Embryo habe ich über die Placenta an den Folgen einer Quecksilber-Amalgam-Füllung teilhaben müssen. Bis zum Tag meiner Geburt war ich präsent im Friseursalon meiner Mutter. Eine Thiomersal - also  Quecksilberhaltige Impfunggegen TBC am Tag meiner Geburt folgte.
 
Auf eine – wahrscheinlich ebenfalls mit Thiomersalkonservierte – Pockenimpfung mit 3 Jahren reagierte ich mit einem15-minütigen Gehirnkrampf. Meine Kindheit auf dem Obstbauernhof meiner Eltern verbrachte ich im Sprühnebel der Pestizid-Euphorie der 60iger Jahre. Dies ging nicht spurlos vorüber: Nierenentzündungen, Ganzkörperausschläge gegen Waschmittel. Ab dem 13. Lebensjahr Quecksilber-Amalgamfüllungen. Beginnende Immunschwäche mit ständig sich wiederholenden Entzündungen des Nasen- /Rachenraums. Neben wochenlangen subfebrilen Schwächezuständen Verschlechterung der schulischen Leistungen.
 
Wegen nachlassender mentaler- und Gedächtnisleistung entschied ich mich nach dem Abitur „erst einmal“ zu einer handwerklichen Ausbildung als Tischlerin. Aber Lösungsmittel, Abbeizprodukte und aggressive Lacke führten zu einer dauerhaften Beeinträchtigung bestimmter kognitiver Funktionen, lähmende Schwäche, ständige Infekte, dauerhafte Hautveränderungen. Eine Krebserkrankung entwickelte sich, wurde erfolgreich operiert, aber die Immunschwäche schritt voran.
 
Auf Anraten meiner Hausärztin ließ ich mir die 9 Amalgamplomben entfernen – was aufgrund aller denkbaren Fehler, die ein Zahnarzt dabei machen konnte, zur Auslösung von über einem Jahr dauernden Lungen- und Organschmerzen, dem beginnenden Verlust der Koordinierungsfähigkeit sowie des Denkvermögens und dem Eintreten nachhaltiger Erschöpfung und permanentem Schwindel führte.
 
Längst unfähig zu arbeiten oder zu studieren wurde ich dann noch einem - in jedem Supermarkt käuflich zu erwerbenden – Katzenfloh-Pestizid ausgesetzt, was schließlich die ständig laufende Abwärtsspirale bis in jahrelange Aphasie, Lese und Schreibunfähigkeit, schwere Koordinationsstörungen und Dauerbettlägerigkeit mit maximaler Aufmerksamkeitsdauer von 5 Minuten beschleunigte.
 
Erst zu diesem Zeitpunkt, mit bereits 34 Jahren begann eine erfolgreiche medizinische Therapie durch einen Arzt an der dänischen Grenze, auf den ich nur durch Zufall aufmerksam gemacht worden bin. Nach 3 Jahren Behandlung – unter anderem Schwermetall-Ausleitung – konnte ich eine Verbesserung konstatieren. Diese wurde aber durch eine Operation wieder zunichte gemacht, denn ich verließ die Hamburger Uniklinik mit einem Schock: Auf eine Unzahl von Chemikalien reagierte ich von dem Tag an mit Symptomen wie Tachykardien (also„Herzrasen“), Schlaflosigkeit, Kopfdruck bis Migräne, Übelkeit, „vernebelter Wahrnehmung“, Schwindel, Sehstörungen, anhaltenden subfebrilen Grippezuständen und vielem anderen mehr. Leberdruck, später auch stark angestiegene Leberwerte führten endlich zur jahrelang vergeblich geforderten Autoimmun-Untersuchung. Diagnose: Primär Biliäre Zirrhose der Leber.
 
Trotz alledem - der Durchbruch, der mir durch konsequente umweltmedizinische Behandlung in den folgenden Jahren gelang ist hier jedoch ausdrücklich als große Ausnahme von der Regel zu bezeichnen:
Durch die in einer Spezialklinik erfolgte Schwermetall-Ausleitung von 25fach über dem Grenzwert liegenden Bleiwerten im Jahr 2000 habe ich in den Jahren danach eine recht akzeptable geistige und körperliche Leistungsfähigkeit erreicht. Was auch Mediziner außerhalb der Umweltmedizin aufhorchen lassen müsste: Die Autoimmun-Antikörper sind durch diese Schwermetallausleitung innerhalb von 2 Jahren von 25.000 auf 500 gefallen!